
BAUBO
Mythos . Revue
„unterhaltsam, bescheuert, sexy“ A. W.
Baubo: ein vergessenes Mysterium
Baubo: eine obszöne Geste
Baubo: ein Gelächter
Baubo: eine antike Quelle im Demeter-Persephone-Mythos
Baubo: eine Strategie im Umgang mit dem Unvermeidlichen
Baubo: eine uraltes Weibsbild
Baubo: nicht zu erklären, nur zu geniessen.
Eine Hommage an das Leben.
Geistesblitze und andere Kuriositäten präsentiert von Melody Floçiç.
Die schönsten Melodien aus 50 Jahren Rockmusik gespielt vom Ein-Mann-Show Orchester HARDY.
Uraufführung 26. September 2008 SCHAUBUDE BERLIN
Eine Produktion von florschütz & döhnert
in Koproduktion mit Theater o.N./Zinnober und SCHAUBUDE BERLIN.
Gefördert vom Fonds Darstellende Künste e.V.
Spiel: Melanie Florschütz, Michael Döhnert
Regie: Werner Hennrich, Hendrik Mannes
Kostüme: Adelheid Wieser
Bühnenmalerei: Wolf Dieckmann
Puppenschauspiel: Baubo
Unterhaltsam, bescheuert und sexy. Das ist doch mal eine interessante Charakterisierung für einen Theaterabend. Wer nichts gegen eine gute Portion Trash einzuwenden und ein Herz für die alten Griechen hat, der ist in dieser Mythosrevue mit Livemusik von florschütz & döhnert bestens aufgehoben. Aus antiken Erzählungen zum Demeter- und Persephonemythos haben sie ein witziges, orgiastisches Spiel komponiert, das hinterfragt, was man sieht und zu verstehen glaubt – anhand eines uralten Weibsbilds.
Zitty Berlin, 24.3.2010
Auszug aus dem Stück
„Man muss sich mal vorstellen, was das bedeutet: von Angesicht zu Angesicht inmitten einer sich in vollkommener Blüte befindlichen Narzisse. Ich meine nicht irgendeine Narzisse, sondern eine makroskopisch vergrößerte. Man selber mitten drin, in einem lichtdurchfluteten, transparenten Raum und vor sich ein riesengroßer Griffel, zu dem man hinauf schaut. Die Nase eingepudert mit Blütenstaub. Der Duft ist so betörend, dass man glaubt, der Atem müsse einem stocken.
Plötzlich tut sich ein Abgrund auf. Und man denkt: Warum ausgerechnet jetzt? Warum so plötzlich? Warum gähnt mich dieser Abgrund so frech an? Soll das eine Tür sein, die verschlossen ist? Und man steht da und hat nicht mal einen Schlüssel in der Hand, sondern allenfalls ein Heftpflaster.
Dann wird einem erst richtig klar, dass die Autorität der Götter versagt hat. Denn Sie müssen wissen, alles, was bisher geschehen ist, hat sich auf einer göttlichen Ebene abgespielt. Und nichts von dem, was Sie soeben gesehen haben, ist wirklich passiert. Im Gegenteil, wir haben nur zwanghaft nachgespielt, was uns die Götter vor Millionen von Jahren vorgespielt haben.
Das erleben wir doch jeden Tag. Ich weiß nicht, ob Sie Zeitung lesen. Medea hat ihre Kinder umgebracht und wir machen das eben nach. Als hätten wir nichts anderes zu tun. Aus Langeweile, oder aus Trotz, oder nur so, weil jemand das gesagt hat.
In diesem Fall möchte ich allerdings die Behauptung wagen, dass die Götter vollkommen fantasielos sind – und im Gegenteil – wir es sind, die ihnen etwas vorspielen - – — — müssen.“
Melody Floçiç
Fotos: Thomas Ernst
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